Hyeonsu Park, TÜV SÜD

+ portrait



Welche Bedeutung Heimat hat, ist für jeden unterschiedlich. Für die einen ist es der Ort, an dem man geboren wurde, für die anderen ist es ein Gefühl: der Geborgenheit, der Nähe zu Familie und Freunden. Stefan Merkl und Hyeonsu Park, die für TÜV SÜD ins Ausland gegangen sind, berichten, wie wichtig räumliche und soziale Nähe für ihr Heimatgefühl ist – ein Protokoll.

Text Julia Illmer

Hyeonsu Park, Technical Certifier bei TÜV SÜD Product Service in Deutschland.

„Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich am Flughafen München ankam. Es war zehn Uhr abends. In kaum einem Geschäft brannte noch Licht und eine große Ruhe lag über der Stadt – für mich war das absolut ungewohnt. Denn ich kam aus der südkoreanischen Megacity Seoul. Dort tobt Tag und Nacht das Leben. Fünf Jahre hatte ich dort bei TÜV SÜD als Auditor gearbeitet, bevor das Angebot kam, in München eine Stelle als Technical Certifier anzutreten – eine tolle Chance für mich, die ich annahm, obwohl mein Sohn noch ein Baby war. Ihn und meine Frau habe ich in der Anfangszeit sehr vermisst.

„WENN ICH HEIMWEH HABE, TUT MIR EINE WARME KIMCHI-SUPPE GUT.“



Ein paar Monate später hat sie ihren Job in Korea aufgegeben, ist mit unserem Sohn nachgekommen und lernt jetzt Deutsch. Das hat mir sehr geholfen, um hier richtig anzukommen; in ihrer Nähe fühle ich mich wohl. Ich habe gemerkt: Mein Zuhause ist dort, wo meine Familie ist; meine Heimat bleibt Korea, wo ich geboren und aufgewachsen bin und studiert habe. Hier ist alles so anders. Wenn man in Korea eine Wohnung mietet, ist es zum Beispiel normal, dass eine Küche, Lampen und auch ein paar Einbaumöbel drin sind. Daher war ich sehr überrascht, als ich in eine kahle Wohnung kam und alles selbst besorgen musste. Auch die Arbeitskultur unterscheidet sich. In Korea sind Arbeitnehmer sehr unterwürfig. Was der Chef sagt, hat höchste Priorität. Hier habe ich gelernt, mich aktiver zu verhalten und selbst Vorschläge einzubringen. In München fühle ich mich mittlerweile sehr wohl. Daher habe ich auch meinen Vertrag bis 2021 verlängert. Einmal im Jahr besuche ich meine Eltern und Freunde in Korea – ursprünglich komme ich aus Busan am Japanischen Meer. Wenn ich Heimweh habe, tut mir eine warme Kimchi-Suppe gut. In den koreanischen Restaurants hat das Essen natürlich eine lokale Note – schmeckt aber trotzdem lecker!“